Medikamentengabe Kleinnager

Leider ist es immer wieder notwendig, dass Zwerghamster, Rennmäuse & Co Medikamente benötigen. Salben und Cremes werden von den Zwergen weggeschleckt und führen häufig eher zu vermehrter Manipulation als Wirkung. Deshalb müssen Medikamente, wie Antibiotika usw. oft oral gegeben werden. Das allerdings stellt den Halter auch vor Herausforderungen, da die Tiere die Medikamente wohl eher nicht freiwillig einnehmen. Mit ein paar Tipps und Tricks kann das aber werden.

 

Internet-Tipps zur Medikamenteneingabe beim Kleinnager

Es gibt ein paar Tricks, wie den Tieren die Medikamente stressfrei „untergejubelt“ werden können. Leider sind nicht alle Tipps für Kleinnager, die im Netz zu finden sind, wirklich geeignet.

Geeignet:

  • Medikamente unter Brei mischen: 

    Vorteil ist, dass das Medikament in den Brei eingerührt und dieser nicht weggetragen werden kann. Bitte kleine Futtermengen des Nagers beachten. Am besten beim gesunden Tier gelegentlich Brei anbieten und probieren, welchen das Tier mag und im Krankheitsfall vorbereitet sein. Breie mit dem Mixer selber anrühren oder Babygläschen kaufen (Gemüsebrei mit und ohne Fleisch). Auch Joghurt, Hüttenkäse etc. ist beliebt und geeignet. Allerdings sind nicht alle Antibiotika für die Gabe in und mit Milchprodukten geeignet. Bitte Rücksprache mit dem TA halten. Bei Gruppentieren, den gesunden Tieren natürlich auch eine Extra-Portion des Breies etc. anbieten und aufpassen, dass die Partnertiere das Medikament nicht fressen.

  • Medikamentengabe über Mehlwürmer: 

    Diese Variante möchte ich genauer vorstellen, da sich diese bei Rennmäusen und Hamstern seit Jahren erfolgreich angewendet wird. Mehlwürmer haben einen starken Eigengeruch und wahrscheinlich auch einen starken Geschmack, so dass das Medikament selbst gar nicht raus geschmeckt wird. 
    Zu beachten und vorbereiten:
    • Getrocknete!! Mehlwürmer. Diese sind durch das Trocknen hohl!
    • Nur ganze Mehlwürmer, die sorgsam aufbewahrt worden sind, so dass möglichst keine Schäden/Löcher vorhanden sind und das Medikament nicht ausfließen kann.
    • Spritze mit Spardorn und feiner Subcutan-Kanüle (Nadel). Die Kanüle und Spritze am besten einfach beim Tierarzt holen, darf mehrmals benutzt werden. Das Schwarze in der Spritze ist der Spardorn, der vorne die Medikamentenreste aus dem Aufsatz der Spritze drückt.
    • Medikament vorbereiten und in die Spritze aufziehen, den (ganzen) Mehlwurm in die Hand nehmen, bestenfalls einen mit einer leichten Rundung. Mit der Kanüle vorsichtig in einem niedrigen Winkel ansetzten und in den Mehlwurm stechen. Achtung: nicht durchstechen!
    • Medikament vorsichtig und v.a. langsam in den Mehlwurm spritzen.
    • Das Ganze vorher am besten mal mit Wasser üben!
    • I.d.R. passen 0,1 bis max. 0,2 ml in einen Mehlwurm. Die Menge ggf. auf mehrere Mehlwürmer aufteilen.
      Nicht geeignet, ist die Mehlwurm-Variante bei massiver Inappetenz! (Appetitlosigkeit)
  • Medikamentengabe direkt ins Maul

    Vorteil: Richtige Dosierung weitgehend gewährleistet
    Nachteil: Stress
    • Tier aus dem Gehege nehmen.
    • Sturzgefahr minimieren, z.B. auf den Boden setzten.
    • Nager gut in der linken Hand mit einem Handtuch oder Küchenkrepp fixieren. Profi-Tipp: mit Baumwoll- oder Fleecehandschuh fixieren, da die Kleinen hier nicht so leicht durchflutschen können!
    • Mit den Fingern, den Kopf festhalten/fixieren.
    • Medikamentengabe: Spritzenaufsatz (vorstehender Dorn vorne) seitlich ins Mäulchen einführen und langsam eingeben.
    • Darauf achten, dass der Nager den Docht nicht abbeißt.
    • Manchmal reicht es auch, das Medikament auf die Lippen zu träufeln.

Bedingt geeignet:

  • Medikament auf das Futter oder Obst träufeln: 

    Wenn das Tier das Futter wegschleppt, ist nicht mehr nachvollziehbar, wie viel aufgenommen wurde. Trockenfutter, und somit das Medikament, landen bei Hamstern ggf. in der Backentasche!

Nicht geeignet:

  • Medikamentengabe über das Trinkwasser: 

    Kleinnager trinken viel zu wenig, um die Aufnahme wirklich zu gewährleisten und somit ist diese Variante unkontrollierbar. Weiter wird der Wirkstoff durch das Abstehen nicht besser. Ausnahme: Hybriden oder Campbell-Zwerghamster mit Diabetes. Diabetes-Hamster nehmen sehr viel Flüssigkeit auf. Das Medikament in eine kleine Menge Wasser geben. Die Aufnahme beobachten und anschließend sofort wieder Wasser bereitstellen. Falls der Hamster das mit Medikamenten versehene Wasser nicht mag, bitte diese Variante nicht wählen. Diabetes-Hamster haben großen Durst und sollen sich nicht zusätzlich quälen müssen.

  • Medikament auf das Fell tropfen: 

    Es ist unwahrscheinlich, dass das Tier das Medikament vollständig über das Putzen aufnimmt. Ggf. wird das Medikament im Streu verteilt oder das Partnertier schleckt dieses ab. Bei Antibiotika kann dies weiter die Resistenzbildung, somit Unwirksamkeit des Medikaments, fördern.

 

Lagerung und Vorbereitung der Medikamente

Generell gibt es im Vorfeld schon einiges zur Lagerung und Vorbereitung des Medikaments zu beachten.

  • Generell keine verschreibungspflichtigen Medikamente ohne Angabe des Arztes geben. Medikamente nach Angaben auf der Packung oder Beipackzettel lagern. Medikamente sollen generell nie in der Sonne liegen oder Hitze ausgesetzt sein (Transport bedenken!).
  • Medikamente, die gekühlt werden müssen, rechtzeitig vor der Gabe aus dem Kühlschrank nehmen.
  • Ist das Medikament in einer Spritze für mehrere Tage aufgezogen, das Medikament nie direkt aus dieser Spritze geben, sondern die Einzeldosis abfüllen oder mit einer anderen Spritze abziehen. Denn im Eifer des Gefechts kann es sonst zu einer (lebensgefährlichen) Überdosierung kommen.
  • Medikamentengabe am Tier ohne Nadel (= Kanüle)!!
  • Bitte Spritzen mit Spardorn verwenden (siehe Foto unten). Gerade Zwerghamster bekommen oft minimalste Dosen, von der sonst der überwiegende Teil in der Spritze verbleibt. Evtl. deshalb nochmals etwas Wasser hinzufügen.
  • Soweit möglich, auf die Wachzeiten achten, um den Stress für den Nager möglichst gering zu halten.

Bitte bei Tabetten und Kapseln beachten:

Medikamente nicht! Mörsern (Quelle: Humanmedizin). Warum? Medikamente, die man theoretisch Mörsern kann, lösen sich auch einfach in Wasser auf (suspendieren genannt). Durch den heftigen Druck beim Mörsern kann die Wirkung des Medikaments vermindert werden. Außerdem bleibt viel des Wirkstoffs im Mörser hängen. Weiter gilt, Medikamente, die sich nicht selbst auflösen, haben in aufgelöster Form (herbeigeführt durch das Mörsern) eine veränderte oder sogar keine Wirkung. Vorsicht auch bei Retard-Kapseln. Diese geben das Medikament eigentlich verlangsamt z.B. über 12 Stunden ab. Werden diese einfach geöffnet, kann das dazu führen, dass der komplette Wirkstoff sofort abgegeben und somit überdosiert wird. Deshalb Rücksprache mit dem Tierarzt!

 © AniCura Kleintiermedizinisches Zentrum Hüttig, November 2017

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