Rattengiftvergiftung beim Hund

Wenn der Hund Rattengift verschluckt oder gefressen hat, ist das ein akuter tiermedizinischer Notfall, der ein sofortiges Handeln notwendig macht. Die Symptome der Rattengifte zeigen sich meist zeitversetzt. Ohne lebensrettende Maßnahmen durch den Tierarzt würde der Hund sehr wahrscheinlich sterben oder schwerste Schäden davon tragen.

Wie wirkt Rattengift?

Die meisten Rattengifte enthalten Cumarinderivate. Cumarine sind „Antikoagulantien“ aus der Gruppe der Vitamin K Antagonisten und hemmen die Blutgerinnung. Man unterscheidet zwischen Wirkstoffen der 1. und der 2. Generation, wobei Wirkstoffe der 2. Generation meist giftiger sind.

Cumarinderivate wirken gerinnungshemmend, indem sie die Reaktivierung von Vitamin K kompetitiv hemmen. Das heißt, die Vitamin K abhängigen Gerinnungsfaktoren (Faktor II, VII, IX und X), welche in der Leber als inaktive Vorstufen gebildet werden, können bei Vorhandensein von Cumarinderivaten nicht aktiviert werden.

Symptome

Nimmt ein Hund also Rattengift auf, kommt es nach Verbrauch der noch vorhandenen Gerinnungsfaktoren (dauert meist 3 – 5 Tage), zu multiplen Blutungen. Diese Blutungen können sichtbar sein (z. B. blutiger Harn, dunkler Kot, Blutungen auf der Hautoberfläche, Blutungen in den Augenkammern) oder für den Tierbesitzer unsichtbar (Blutungen in den Körperhöhlen) sein. Die Hunde zeigen sich dann apathisch, schwächer oder gar im Schock.

Wenn die Aufnahme von Rattengift beobachtet wurde oder der Hund an oben genannten Symptomen leidet, ist eine unverzügliche Vorstellung beim Tierarzt notwendig.

Diagnostik

Je nach Art des Rattengifts, Menge der Aufnahme und Dauer bis zur Vorstellung, können die Symptome von leicht bis lebensbedrohlich variieren.  Für die vollständige Abklärung ist eine klinische Untersuchung,  Blutuntersuchung (Blutbild, Blutchemie und Gerinnung) und eventuell Röntgen und Ultraschall der Brust und Bauchhölen (um Blutungen festzustellen), notwendig.

Die Messung der Blutgerinnung (Prothrombinzeit) eignet sich zur Früherkennung einer Rattengiftvergiftung beim Hund, da der hiermit gemessene Gerinnungsfaktor (Faktor VII) zuerst verbraucht wird. Die Blutgerinnung kann also schon verlängert sein, obwohl noch keine Blutungen sichtbar sind.

Therapie

In den meisten Fällen ist eine stationäre Aufnahme des Hundes und anschließende intensive medikamentöse Therapie inklusive Infusionstherapie beim Tierarzt notwendig.

Die Antidottherapie von Vergiftungen mit Rattengiften (Cumarinderivaten) erfolgt mit Vitamin K über 3-6 Wochen. Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle der Blutgerinnung. Auch und vor allem nach Absetzen der Therapie. Sollte die Gerinnung weiterhin verlängert sein, muss wieder mit der Gabe von Vitamin K begonnen werden.

© Frau Christina Zöpfel, AniCura Tierklinik Hollabrunn, Februar 2018