Leptospirose beim Hund

Die Leptospirose eine weltweit vorkommende, potenziell tödlich verlaufende bakterielle Infektion von Hunden (Katzen werden seltener befallen und zeigen weniger Symptome).

Allgemeine Beschreibung der Leptospirose

Mäuse und Ratten dienen als Reservoir für diese Erkrankung (sie beherbergen die Bakterien, ohne daran zu erkranken) und scheiden sie über den Harn aus. Über verseuchte Oberflächengewässer (insbesondere Lacken und stehende Gewässer wie Teiche) kann sich der Hund anstecken. Auch der Mensch kann sich infizieren, sowohl aus der kontaminierten Umwelt als auch vom erkrankten Hund (Zoonose!), vor allem durch Kontakt mit Blut und Harn.In Westösterreich kommen relativ häufig Erkrankungen vor; aber auch im Rest von Österreich nimmt die Bedeutung der Erkrankung zu. Es gibt viele verschiedene Bakterienstämme ohne bedeutende Kreuzimmunität (das heißt, wenn man die Infektion mit einem Stamm überstanden hat und dagegen Antikörper ausgebildet hat, kann man trotzdem an einer Infektion mit einem anderen Stamm erkranken). Dieses Prinzip gilt auch für die vorhandenen Schutzimpfungen: Sie sollten gegen möglichst viele verschiedene Stämme immunisieren können. Impfungen gegen Leptospirose sollte jeder Hund bekommen, der ins Freie geht. Um einen möglichst guten Impfschutz während der Hauptinfektionszeit vom Spätfrühling bis zum Frühwinter zu gewährleisten, soll diese Impfung jährlich wiederholt werden, am besten im Spätwinter oder frühen Frühjahr.

Symptome der Leptospirose beim Hund

Hunde aller Altersklassen können erkranken, aber vor allem junge und unzureichend geimpfte Tiere können lebensbedrohliche Symptome entwickeln. Die meisten Erkrankungen erfolgen im Spätsommer und Herbst in warmfeuchter Witterung und nach schweren Regenfällen oder Überschwemmungen. Die Bakterien dringen über verletzte Hautstellen bzw. aufgeweichte intakte Haut oder über Schleimhäute in den Körper ein, verbreiten sich mit dem Blutstrom und bewirken eine interstitielle Nephritis (Nierenentzündung) und Leber- und Nierennekrose (Absterben der Zellen) mit Leber- und/oder Nierenversagen sowie Kreislaufproblemen; seltener Blutgerinnungsstörungen, Lungenentzündung und -blutungen, Darminvagination (Einstülpen des Darmes in sich selber), Meningitis (Gehirnhautentzündung) und Uveitis (innere Augentzündung). Bei typischen Symptomen wie Mattigkeit, Fieber, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Gelbsucht oder beschwerliche Atmung und Husten sollte rasch ein Tierarzt aufgesucht werden. Ohne Therapie kann das Tier versterben und es stellt auch eine Infektionsgefahr für den Menschen dar (Zoonose!). 

Diagnostik

Im Labor werden Blutuntersuchungen durchgeführt: Blutbild mit Entzündungszellen, Blutchemie inklusive Leber- und Nierenwerten, um das Ausmaß des Organschadens festzustellen, Elektrolyte sowie fallabhängig zusätzliche Röntgen-, Ultraschall- und Harnuntersuchungen. Vor dem Therapiestart werden Proben entnommen (Blut und Harn), aus denen man mittels PCR den Erreger nachzuweisen versucht, was bis zu einer Woche dauern kann. Die zweimalige Messung der Antikörper gegen einzelne Bakterienstämme im Abstand von 2 - 4 Wochen kann bei entsprechendem Anstieg der Antikörperspiegel hinterher die Diagnose bestätigen.

Therapie

Ohne das Ergebnis des Erregernachweises abzuwarten, wird unverzüglich mit einer passenden Antibiotikatherapie begonnen. Damit soll die Ausscheidung der Erreger rasch gestoppt werden, die ja vor allem über den Harn eine Gefahr für alle Menschen mit Kontakt zum erkrankten Tier darstellt. Für mindestens 24 - 48 Stunden nach Therapiestart müssen sich alle Kontaktpersonen mit Schutzkleidung und strengen Hygienemaßnahmen vor einer Infektion schützen und im Bedarfsfall ebenfalls antibiotisch therapiert werden. Die Antibiotikatherapie des Hundes ist des Weiteren notwendig, um eine chronische Infektion der Niere zu verhindern, die den Hund zu einem Dauerausscheider machen kann. 

Der erkrankte Hund wird stationär  aufgenommen, bekommt neben dem Antibiotikum eine Dauertropfinfusion und Medikamente zur Unterstützung der Leberfunktion sowie intensive Pflegemaßnahmen. Das Nierenversagen kann so fulminant sein, dass eine vorübergehende Therapie mit Hämodialyse notwendig wird. Eine Dialyse ist nur an sehr wenigen Standorten möglich.

Prognose

Die meisten Hunde (ältere Tiere, guter Impfschutz) erkranken mit geringgradiger Symptomatik oder machen unbemerkt eine Infektion durch. Schwer erkrankte Tiere überleben mit Intensivtherapie zu 50 - 90 % eine schlechtere Prognose haben Jungtieren unter 6 Monaten, ungeimpfte Tiere und Tiere, die erst spät im Krankheitsverlauf mit Antibiotika behandelt werden. Bleibende Organschäden sind möglich (chronische interstitielle Nephritis und chronisch aktive Hepatitis bis zur Leberfibrose).

 © Mag. Astrid Kuhn, Kleintierklinik Breitensee, August 2018