Hundefutter selbst kochen

Hundefutter selbst kochen

Es gibt viele Möglichkeiten, einen Hund zu ernähren. Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen, Ihr Hundefutter selbst zu kochen, beachten Sie bitte: Es gibt viele wichtige Aspekte, die zu einer gesunden Hundefütterung gehören. Hier eine Übersicht über wichtige Inhaltsstoffe und das Für und Wider von selbstgekochtem Hundefutter.

Allen Hinweisen möchten wir Folgendes voranstellen: 

Bevor Sie für Ihren Liebling Hundefutter selbst kochen, ihn BARFen (s. u.) oder Preyen (s. u.), lassen Sie sich in einer Ernährungsberatung ausführlich von einem Tierarzt beraten! Eine dauerhafte unausgewogene Ernährung macht alle möglichen Vorteile dieser Methoden zunichte und Ihren Hund krank.

Hundeernährung: Eine Wissenschaft für sich

Diese Überschrift ist keine Übertreibung. Der Diätetik, also der Ernährungskunde, kommt in der Tierhaltung  eine große Bedeutung zu und es gibt eigens ausgebildete Fachtierärzte für Tierernährung. Jede Tierart hat besondere Ansprüche an ihre Fütterung. Diese sowie die veränderten Anforderungen z. B. bei. Erkrankungen oder im Wachstum, rechtfertigen den hohen Stellenwert einer gesunden Hundefütterung.

Grundsätzlich setzt sich Hundefutter aus folgenden Komponenten zusammen: 

Außerdem gibt es sogenannte „essentielle“ Anteile wie bestimmte Aminosäuren oder Fettsäuren, die auf keinen Fall fehlen dürfen, weil der Hund sie zum gesunden Überleben braucht und nicht aus anderen Nahrungsbestandteilen zusammensetzen kann. Sie müssen bei der Wahl der Proteinquelle (meistens Fleisch) und bei der Wahl der Fette (bestimmte Öle) berücksichtigt werden. Wenn Sie Hundefutter selbst kochen wollen, müssen all dieses Bestandteile im richtigen Verhältnis enthalten sein.

Alleinfuttermittel für Hunde: Besser als ihr Ruf

Kommerzielle Nass- und Trockenfutter für Hunde, die man im Supermarkt, in der Drogerie, beim Tierarzt oder im Zoofachhandel – natürlich auch online – bekommt, sind grundsätzlich eine gute Möglichkeit, den Hund recht ausgewogen zu ernähren. Sie weisen meist eine passende Verteilung von Proteinen, Fett und Kohlenhydraten auf und enthalten alle essentiellen Fett- und Aminosäuren, Vitamine, etc. Diese müssen auch im richtigen Verhältnis enthalten sein (schiere Menge ist nicht das einzige Kriterium), damit der Körper die Nährstoffe auch nutzen kann. Ob Sie Nass- oder Trockenfutter wählen, ist dabei eher nicht so wichtig bzw. Sie können das nach Geschmack Ihres Hundes oder der Fütterungspraxis entscheiden.

Allerdings gibt es durchaus sehr große qualitative Unterschiede: Je nach Fleischquelle variiert die Qualität des enthaltenen Proteins. Hochwertige Futter zeichnen sich häufig durch einen hochverdaulichen Fleischanteil aus.

Da heute viele Aminosäuren einzeln zugesetzt werden können, ist ein hoher Fleischanteil aber nicht unbedingt notwendig, um den Bedarf an essentiellen Aminosäuren zu decken. Entsprechend kann der Getreideanteil dann ruhig höher sein, ohne, dass das Futter deswegen minderwertig wäre.

Tipp: Auf den meisten Futtermitteln sind die Gehalte an Protein, Kohlenhydraten und Fett angegeben. Leider ist das nicht gleichbedeutend mit den Nährstoffen, die tatsächlich vom Hund verwertet werden können. Manche Hersteller bieten daher mittlerweile Angaben zu „verdaulichem“ Protein, etc. an, was eine bessere Einschätzung erlaubt.

Für ältere oder kranke Hunde, z. B. mit einem Nierenleiden, gibt es entsprechende Futtermittel, deren Zusammensetzung an die besonderen Bedürfnisse angepasst ist. Hersteller hochwertiger Hundefutter bieten mittlerweile sogar personalisiertes Futter, exakt angepasst auf die Bedürfnisse Ihres Vierbeiners.

Hundefutter selbst kochen? Vor- und Nachteile

Es gibt durchaus gute Gründe dafür, das eigene Hundefutter selbst zu kochen. 

Vorteile einer selbst gekochten Diät sind:

Es hat auch Nachteile, Hundefutter selbst zu kochen:

Hundefutter selbst gemacht: Komponenten

Hunde sind keine reinen Fleischfresser, anders als Katzen. Hunde vertragen durchaus einiges an Gemüse und Getreide, besser, als viele Menschen denken. Das liegt daran, dass sie – anders als der Wolf – schon lange als Kulturfolger des Menschen leben und an entsprechende Nahrung gewöhnt sind.

Bei gesunden Hunden sollte Fleisch den größten Anteil am Futter ausmachen. Dafür sind nahezu alle Fleischsorten geeignet, die im Handel sind: Geflügel, Rind und Schwein aber auch Pferd oder Schaf. Auch Innereien wie Nieren und Leber können verfüttert werden, sollten aber nicht häufiger als einmal pro Woche gegeben oder immer in sehr kleinen Mengen (weniger als 5%) der täglichen Ration beigemischt werden. Sie sind nicht so leicht verdaulich, enthalten aber viele gesunde Vitamine und Mineralien. Wenn Sie Hundefutter selbst kochen, sollte das Fleisch gekocht oder gebraten werden und gut durch sein. Insbesondere Schweinefleisch dürfen Sie nicht roh verfüttern!

Fisch stellt ebenfalls eine gute Eiweißquelle dar. Wichtig: Alle Gräten entfernen! Im gekochten Zustand sind die gängigen Fischsorten wie z. B. Lachs, Thunfisch oder Forelle geeignet. Weißfleischige Fische haben dabei weniger Fett als z. B. Lachs. 

Sehr leicht verdauliches Protein wird außerdem von Eiern bereitgestellt (Eiklar muss dafür gar sein). Dies gilt auch für Milchprodukte. Da aber die meisten Hunde Laktose, also Milchzucker, nicht gut vertragen, besser nur Quark oder z. B. Hüttenkäse verwenden.

Weitere Zutaten können gekochte Nudeln und Reis, Haferflocken o. Ä. sein. Auch geraspelte Möhren oder anderes gekochtes Gemüse. Seien Sie dabei aber bitte aufmerksam, manche Gemüse eignen sich nicht für Hunde (siehe unten). Gekochte Hülsenfrüchte wie z. B. Erbsen können ebenfalls verwendet werden, können aber blähen. Also vorsichtig mit der Menge!

Wenn Sie Hundefutter selber kochen, ist die Zugabe von Vitaminen oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln in der Regel notwendig, damit Ihr Liebling alle wichtigen Stoffe zu sich nimmt. (Das liegt u. a. daran, dass Vitamine beim Kochen verloren gehen. Der Kochvorgang erhöht aber die Verdaulichkeit.) Es gibt sehr verschiedene Zusätze synthetischer oder natürlicher Art, die genau an die jeweilige Ration angepasst werden müssen. Besprechen Sie dies unbedingt mit Ihrem Tierarzt!

Selbstgemachtes Hundefutter: Welche Mengen benötige ich?

Wie viel Ihr Hund wovon braucht, lässt sich pauschal schwer sagen. Je nach Alter, Rasse, Gesundheitszustand und z. B. sportlicher Nutzung sind die Bedürfnisse andere. So benötigt sicherlich der Mops auf dem Sofa ein anderes Futter als der Hütehund im Einsatz, um mal zwei extreme Beispiele zu wählen. Aufgrund dieser Unterschiede ist die Rationsberechnung durch einen entsprechend ausgebildeten Tierarzt unerlässlich! Bedarfstabellen, die sich online finden, sind als Richtschnur hilfreich, können aber den individuellen Bedarf Ihres Vierbeiners nicht abbilden.

Wenn Sie gesundes Hundefutter selber machen und Rezepte suchen, achten Sie auf die Quelle! Nicht jedes auf einem Blog geteilte Rezept ist tatsächlich gut geeignet für Ihren Hund. Wenn Sie angegebene Mengen reduzieren oder erhöhen, müssen Sie immer das Verhältnis der Komponenten beibehalten, um die Nährstoffzusammensetzung nicht zu verändern.

Ich möchte Hundefutter selbst machen – wie fange ich an?

Wenn Sie für Ihren Vierbeiner Hundefutter selbst kochen möchten, steigern Sie Stück für Stück den Anteil am Futter und reduzieren das Fertigfutter. 

Eine langsame Umstellung gibt dem Verdauungstrakt, insbesondere der Darmflora, die Chance, sich anzupassen. Wenn Ihr Hund das Futter auch nach langsamer Eingewöhnung nicht verträgt und mit starken Blähungen, Durchfall oder Erbrechen reagiert, sollten Sie davon Abstand nehmen bzw. müssen unbedingt die Zusammensetzung überprüfen lassen. Es kann sein, dass z. B. Ballaststoffe aus Gemüse fehlen oder Kohlenhydrate aus z. B. Getreide; beide sind wichtig für eine gesunde Darmflora. 

Fleischsorten mit ähnlichem Fettgehalt können Sie immer mal austauschen, wenn Sie Hundefutter selbst kochen. Wechseln Sie aber mageres Hühnerfleisch gegen z. B. Lamm, müssen Sie gleichzeitig den Fettanteil z. B. über Öl reduzieren.

Wichtig: Öle in kleinen Gebinden kaufen und darauf achten, dass es dunkle Glasflaschen sind. Nur frische Öle, die nicht ranzig und nicht dem Licht ausgesetzt sind, enthalten tatsächlich alle gesunden Inhaltsstoffe. 

Hundefutter selbst zu kochen bedeutet, alles deutlich länger zu garen als für den Menschen. Kartoffeln oder Möhren müssen richtig matschig sein und auch das Fleisch sollte gut durch sein. Dies erhöht die Verdaulichkeit um ein Vielfaches und beugt Blähungen vor.

Übrigens: Drei kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt, sind weniger belastend für den Verdauungstrakt als eine große. Gerade für kranke oder ältere Hunde bietet sich dies an.

Was darf mein Hund nicht fressen?

Sie finden hier eine wichtige Übersicht, welche Lebensmittel für Hunde nicht geeignet sind. Dazu zählen z. B. Knoblauch, Zwiebeln oder Weintrauben. Sie sollten ihm zudem keine Essensreste füttern, die sind meist zu stark gewürzt und können zu Durchfall führen. Außerdem können auch hier Dinge enthalten sein, die nicht in den Hundemagen gehören. Nicht zuletzt enthält die menschliche Nahrung nicht alle notwendigen Stoffe in der richtigen Menge. Sie sollten also nicht für sich kochen und dann für den Hund etwas abzweigen – das geht schief.

Weiteres selbst gemachtes Hundefutter abseits des Alleinfutters

Neben dem selbstgekochten Hundefutter gibt es auch noch das sogenannte „BARF“ (bone and raw food, auch als „Biologisch artgerechte Rohfütterung“ übersetzt). Dabei werden nur rohe Bestandteile verfüttert, die in ihrer Zusammensetzung der eines Beutetiers nahekommen und dadurch besonders artgerecht sein sollen. Das Wichtige daran: Ein Beutetier besteht nicht nur aus Muskelfleisch! Alle anderen Organe, Bindegewebe, etc. gehören auch dazu. 

Wie beim selbstgekochten Hundefutter auch hat der Halter beim BARFen eine enorme Verantwortung, die Zusammensetzung genau zu überwachen. Andernfalls kommt es zur Mangelernährung und womöglich ernährungsbedingten Krankheiten beim Hund. Bei der BARF-Fütterung wird in der Regel auf eine einmal tägliche Fütterung gesetzt. Durch den fehlenden Kochprozess benötigt der Hund viel Magensäure, um die Nahrung aufzuschlüsseln.

Als „Preyen“ wird die Fütterung ganzer Beutetiere bezeichnet. Dies sind z. B. Kaninchen. Dass daraus gewisse praktische Probleme erwachsen und es z. B. in der Stadt eher nicht möglich ist, versteht sich von selbst. 

Es gibt auch Halter, die ihre Hunde vegetarisch oder vegan ernähren wollen. Eine gesunde vegetarische Fütterung von Hunden ist möglich, aber aufwendig. Dies gilt in noch viel höherem Maße für die vegane Ernährung, die auch unter Tierärzten umstritten ist.

Wichtig: Dies gilt nur für den Hund! Eine Katze vegetarisch oder vegan zu ernähren, ist nicht artgerecht und auch nicht gesund.

Welche Fehler werden häufig gemacht?

Leider ist die Erfahrung vieler Tierärzte, dass die meisten selbstgekochten Diäten mangelhaft sind. Es fehlen essentielle Fett- und Aminosäuren, das Verhältnis von z. B. Calcium und Phosphor ist nicht optimal oder die Mischung von Proteinen, Fett und Kohlenhydraten ist nicht passend. Auch können Spurenelemente fehlen, die aber lebensnotwendig sind.

Wir empfehlen Ihnen daher dringend: Wenn Sie Hundefutter selbst kochen möchten, lassen Sie sich unbedingt ausgiebig von einem Fachtierarzt für Tierernährung beraten! Andernfalls erreichen Sie womöglich genau das Gegenteil von dem, was Sie wollten: Ihren Hund ausgewogen und besonders gesund ernähren.

Tierärzte, die sich speziell mit Hundeernährung gut auskennen, geben Ihnen nicht nur Basiswissen an die Hand, sondern auch Rezepte sowie Tipps und Tricks, wie Sie gesundes Hundefutter selbst kochen können und wie der Übergang vom Fertigfutter zum Selbstgekochten gut über die Bühne geht. 

Hundefutter selbst kochen: Fazit

Alleinfuttermittel sind nach wie vor die einfachste Art, einen Hund gesund und ausgewogen zu ernähren. Wenn Sie Ihr Hundefutter selber machen wollen, lassen Sie sich bitte unbedingt vorher tierärztlich beraten. Dann kann es eine gute Alternative zu Alleinfuttermitteln aus dem Handel sein. Besonders geeignet ist es für Hunde mit bestimmten Erkrankungen, denen die vorhandenen Diäten nicht schmecken bzw. für die es kein passendes Futter gibt.

© AniCura