Hüftgelenksdysplasie (HD) des Hundes

Die Hüftgelenksdysplasie ist bei vielen Hunderassen eine verbreitete, angeborene Veränderung des Hüftgelenks.

Allgemeine Beschreibung

Die HD ist nach wie vor trotz Zuchtselektion ein weit verbreitetes Problem des Hundes. Prädisponierte Rassen sind Labrador Retriever, Golden Retriever und Schäferhund, es können aber Hunde aller Rassen und Größen von einer Hüftgelenksdysplasie betroffen sein.

Symptome

Symptome die beobachtet werden können reichen von Lahmheiten bis zu Bewegungsunlust. Welpen mit Hüftgelenksdysplasie spielen in der Regel weniger als andere Tiere im gleichen Alter, sie setzen sich schneller hin, Welpen mit sehr starker HD können teilweise gar nicht laufen.

Diagnostik

Die HD kann bereits im Welpenalter von 3-4 Monaten diagnostiziert werden. Es ist eine Untersuchung der Hüften in Sedation (tiefe Beruhigung) und das Anfertigen von Röntgenaufnahmen nötig. Die normale Röntgenuntersuchung wird durch eine Distraktionsaufnahme ergänzt, hierbei wird die Lockerheit der Hüften objektiv über den Distraktionsindex bestimmt. Eine Arthroskopie der Hüfte kann hilfreich sein um den Zustand des Gelenkknorples genauer zu untersuchen. Anhand der erhobenen Befunde kann über die weitere Therapie entschieden werden.

Therapie

Je nach Schwere der HD kann eine konservative Behandlung ausreichen oder muss eine chirurgische Behandlung durchgeführt werden. Der erste und wichtigste Bestandteil jeder konservativen Behandlung ist eine Gewichtskontrolle, diese ist begleitet von Schmerzmitteln sowie gelenksaufbauenden Substanzen. Auch Gelenksinjektionen können helfen.

Vorbeugen ist besser als heilen...

Wenn eine Hüftgelenksdysplasie vorliegt, kann bis zum Ende der 16.-18. Lebenswoche ein vorzeitiger Verschluss der Wachstumsfugen der Schambeine ausgelöst werden. Ein sehr kleiner Eingriff mit sehr großer Wirkung. Sind die Tiere älter als 16 bis 18 Wochen kann bei Hunden mit HD, die eine lockeres instabiles Gelenk, aber ein gut ausgebildetes Acetabulum und noch keine Arthrose haben, eine Pfannendachschwenkung mittels TPO (Triple Pelvic Osteotomie) oder DPO (Double Pelvic Osteotomie) durchgeführt werden. Diese Eingriffe werden von den jungen Hunden sehr gut toleriert und erhalten ihnen im besten Fall ein Leben lang ihr eigenes Gelenk.


Wenn die Folgen der HD bereits weit fortgeschritten sind bzw. wenn die Tiere ein gewisses Alter erreicht haben raten wir optimalerweise zu einem künstlichen Gelenksersatz. Alternativen stellen eine Femurkopfresektion oder eine PIN (Pektineusmyektomie, Iliopsoastenotomie und Neurektomie der Gelenkskapsel) dar. Die Indikation für die PIN Operation ist leider recht eng und der Effekt zeitlich begrenzt.

Jeder chirurgischen Versorgung muss immer eine adäquate Schmerztherapie folgen, wo immer möglich sollte diese mit geeigneten Rehabilitationsmaßnahmen kombiniert werden.

Prognose

Je nach Eingriff ist die Prognose vorsichtig bis sehr gut. Hunde mit einer künstlichen Hüfte haben eine sehr gute Prognose.

Wann sollte man den Tierarzt kontaktieren?

Sollten Sie das Gefühl haben, dass Ihr Welpe Bewegungsunlust zeigt, sich schnell hinsetzt beim Spielen oder sogar lahmt, dann sollte das Tier einem Tierarzt vorgestellt werden. Je früher wir und Sie handeln desto besser für Ihr Tier.

© Dr. Nikola Medl, Diplomate ECVS, AniCura Kleintierklinik Babenhausen, Oktober 2016