Darmsanierung Hund

Die Darmsanierung (auch: Symbioselenkung) beim Hund soll Fehlbesiedelungen des Darms mit Bakterien und Pilzen beheben sowie die gesunde Darmflora wieder herstellen.

Funktionen des Darms

Der Darm hat neben der Verdauung viele weitere Aufgaben: Er beinhaltet einen großen Teil der Immunzellen, die im Körper existieren, er stellt eine Barriere zur Außenwelt dar und hat großen Einfluss auf andere Organe. Viele dieser Vorgänge sind bisher nur in Ansätzen verstanden. So wissen wir z.B., dass der Darm über Nervenfasern und sogenannte Neurotransmitter (Botenstoffe) direkt mit dem Gehirn kommuniziert und dass er über diesen Weg an der Entstehung, aber auch an der Behebung psychischer Probleme beteiligt ist. Vor diesem Hintergrund stellen Wissenschaftler derzeit den Darm ins Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn es um diverse Krankheiten und das Verständnis ihrer Entstehung geht.

Darmbakterien Hund: Warum die Darmflora so wichtig ist

Neben den körpereigenen Darmzellen und Enzymen, die der Verdauung und der Abwehr schädlicher Stoffe dienen, gibt es eine Vielzahl von Bakterien, die im Schleim auf der Darmoberfläche leben. Diese gesunden, „guten“ Bakterien bezeichnet man als Darmflora oder in ihrer Gesamtheit auch als Darm-Mikrobiom. (Auch auf der Haut leben viele verschiedene gesunde Bakterien und bilden so die Hautflora.) Zu den gesunden Darmbakterien beim Hund zählen sogenannte Enterokokken und Escherichia coli, aber auch Lacto- und Bifidobazillen.

Die Darmbakterien trainieren z.B. das Immunsystem, unterstützen die Verdauung und verhindern die Ausbreitung krankmachender Keime. Sie produzieren auch Substanzen, die über die Nahrung nicht zugeführt werden können. Außerdem können sie sich sogar auf Ernährungsgewohnheiten einstellen: Pflanzenfresser oder Vegetarier haben ein anderes Mikrobiom als Carnivoren (Fleischfresser), da es andere Substanzen zu verstoffwechseln gilt und der Bedarf an Eigenprodukten sich unterscheidet. Zu guter Letzt hat auch noch jedes Individuum sein eigenes Mikrobiom.

Darmsanierung Hund: Wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht gerät

Die Darmflora des Hundes ist vielen Anwürfen ausgesetzt: Zunehmendes Alter, genetische Dispositionen (genetisch bedingte erleichterte Voraussetzungen für die Entstehung einer Erkrankung), Infektionen, Stress, Arzneimittel und insbesondere die Ernährung stellen die Darmbakterien vor große Herausforderungen.

Wird das gesunde Gleichgewicht im Darm gestört, spricht man von einer Dysbiose. Diese kann dann Magen-Darm-Erkrankungen wie Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder chronische Entzündungen auslösen. Eine Dysbiose beeinflusst aber auch sehr viele andere Organe, z.B. Immunsystem, Reproduktionsorgane, Knochen, Leber, Nieren, uvm.

Mögliche Darm-assoziierte Erkrankungen sind:

Übrigens: Eine durch Stress oder andere Faktoren gestörte Darmschranke erlaubt das Durchtreten von Substanzen in den Organismus, die bei einer gesunden Darmflora und intakter Darmoberfläche nicht passieren könnten. So gelangen Giftstoffe oder Bakterien in den Körper und aktivieren das Immunsystem. Die Folge können Entzündungen oder überschießende Reaktionen wie Allergien sein.

Darmsanierung Hund: Wie wird sie durchgeführt?

Zur Darmsanierung beim Hund gehören mehrere Elemente: Zum einen werden verschiedene Medikamente eingesetzt, zum anderen kommt der Fütterung große Bedeutung zu.

Darmsanierung: Medikamente für den Hund

Sogenannte Präbiotika bieten den Darmbakterien möglichst gute Wachstumsbedingungen, indem sie z.B. den pH-Wert senken, die Schleimhaut regenerieren oder schädliche Keime binden (medizinische Hefe, Pektin, Inulin). Sie sind außerdem nur für die gesunden Darmbakterien verdaulich und werden nicht durch Verdauungsvorgänge zerstört.

Mit Probiotika werden dem Darm „gute“ Bakterien aktiv zugeführt, um die Darmflora wieder aufzubauen. Sie enthalten tatsächlich lebensfähige Bakterien. Sie müssen so verarbeitet sein, dass die Bakterien auch tatsächlich den Dünndarm erreichen und nicht bereits vorher verdaut werden. Gut geeignet sind Produkte, in denen mehrere Stämme von verschiedenen Bakterien enthalten sind. Sie unterstützen sich gegenseitig, wirken zudem an verschiedenen Orten im Darm (Synergieeffekt). Wenn auch die „harten“ wissenschaftlichen Fakten zu Probiotika noch relativ spärlich sind, zeigt die Praxiserfahrung folgende mögliche Effekte:

Eine Kombination von Prä- und Probiotika verspricht den besten Erfolg im Rahmen einer Darmsanierung bei Hunden. Sie müssen über Wochen, bei schweren Störungen über Monate verabreicht werden, um eine dauerhafte Wirkung zu erzielen.

Darmsanierung Hund: Fütterung

Zusätzlich zu diesen Medikamenten zur Darmsanierung beim Hund wird in jedem Fall auch die Fütterung optimiert. Sie hat den größten Einfluss auf die Darmflora, da sie täglich und über Jahre die Darmbakterien ernährt. Folgende Fragen werden u.a. im Rahmen der Beratung geklärt und die Fütterung des Hundes daraufhin untersucht:

In seltenen Fällen hat tatsächlich eine massive Fehlbesiedelung des Darms mit krankmachenden Bakterien stattgefunden. Paradoxerweise helfen in solchen Fällen Antibiotika: Sie töten die unerwünschten Keime ab. Mit einer Darmsanierung kann man den Hund dann unterstützen, in ein gesundes Gleichgewicht zurückzufinden.

Übrigens: Im Vergleich zur Katze, die ein obligater Fleischfresser ist (sie benötigt nur sehr geringe Mengen Kohlenhydrate), sind Hunde Allesfresser mit Schwerpunkt Fleisch. Daher ist z.B. durchaus möglich, einen Hund gesund vegetarisch zu ernähren – eine Katze nicht. Deswegen ist die Frage nach der Futterzusammensetzung in Bezug auf die Darmbakterien sehr wichtig!

Darmsanierung Hund: Wann ist sie sinnvoll?

Grundsätzlich sollten Sie bei Krankheitsanzeichen Ihres Hundes immer einen Tierarzt aufsuchen, um die Ursache des Problems zu finden!

Wenn ein Hund dauerhaft unter Verdauungsstörungen leidet oder eine chronische Erkrankung aufweist, könnte eine Darmsanierung sinnvoll sein. Wenn sie auch nicht unbedingt final das Problem behebt, ist eine intakte Darmflora in jedem Falle hilfreich bei der Heilung.

Eine Dysbiose routinemäßig festzustellen ist derzeit leider noch nicht möglich. Dafür ist über die beteiligten Bakterienstämme noch zu wenig bekannt und auch noch keine Labormethode ausreichend erprobt, um sinnvolle Ergebnisse zu liefern. Eine Darmsanierung beim Hund aufgrund einer Dysbiose folgt also immer einer Vermutung.

Die Darmsanierung ist auch dann hilfreich, wenn eine Antibiotikatherapie durchgeführt wird. Antibiotika töten leider auch die gesunden Keime im Darm ab. Bereits während der Behandlung kann mit einer Unterstützung der gesunden Darmflora begonnen werden. Auch andere Medikamente können die Darmflora negativ beeinflussen und eine Darmsanierung sinnvoll machen, um negative Effekte zu mindern.

Darmsanierung Hund: Fazit

Die Darmsanierung beim Hund hat sich in der klassischen Veterinärmedizin noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Die wissenschaftliche Basis ist nach wie vor relativ klein, auch wenn das Thema besonders in der Humanmedizin sehr wichtig geworden ist. Untersuchungen deuten auf die Wichtigkeit einer gesunden Darmflora und auf die positiven Effekte von Prä- und Probiotika hin. Daher kann eine Darmsanierung beim Hund versucht werden, gern auch begleitend zu anderen Behandlungen, um gegen bestimmte Erkrankungen vorzugehen. Da sie relativ risikoarm und höchstwahrscheinlich unschädlich ist, hat sie damit anderen Therapieverfahren Einiges voraus. Andererseits sollte nicht in jedem gesundheitlichen Problem eine Dysbiose gesehen und reflexhaft mit Darmsanierung reagiert werden. Eine genaue Diagnose und die Offenheit für andere hilfreiche Therapien sollten selbstverständlich sein.

Wird eine Darmsanierung bei Ihrem Hund durchgeführt – haben Sie Geduld! Es braucht Zeit und Durchhaltewillen, damit sich der gewünschte Effekt einstellt.

© AniCura