Die beliebten Heimtiere sind verschmust, anhänglich und intelligent. Hier erfahren Sie was bei der Haltung und Fütterung von Ratten beachtet werden muss und welche Krankheiten häufig auftreten.

Allgemeines

Ratten erfreuen sich als Heimtiere immer größerer Beliebtheit, da immer mehr Leute feststellen, dass Ratten sehr verschmuste, anhängliche und vor allem intelligente Zeitgenossen sind. Die als Heimtiere gehaltenen Ratten stammen von der Wanderratte ab, die Ende des 18. Jahrhunderts aus dem nördlichen China über Schiffwege nach Europa gekommen sind. Die Wanderratte ist hauptsächlich nachtaktiv. Ratten als Heimtiere passen sich meistens dem Rhythmus ihres Besitzers an.

Bei den Ratten werden anderes als bei anderen Haustieren keine Rassen unterschieden.

Man differenziert jedoch sehr viele unterschiedliche Farbschläge und Zeichnungsvarianten (z. B. Husky, Berkshire, Siam). Farbratten werden im Durchschnitt zwischen 2 und 3 Jahre alt und erreichen eine Länge von 22 - 27 cm. Der Schwanz misst zusätzlich eine Länge von 18 - 20 cm. Weibliche Tiere wiegen, wenn sie ausgewachsen sind zwischen 200 und 400 g. Männliche Tiere erreichen ein Gewicht zwischen 250 und 650 g.

Ratten leben in der Natur in großen Sippen, deshalb sollten diese geselligen und überaus sozialen Tiere niemals alleine gehalten werden.

In der Heimtierhaltung sollten deshalb mindestens zwei aber besser kleine Gruppen von 4 - 6 Tieren gehalten werden. Ratten sind zwischen 4 - 6 Wochen fortpflanzungsfähig und müssen ab der 4. Lebenswoche geschlechtlich getrennt werden. Entscheidet man sich für eine gemischte Gruppe, so sollten Böcke unbedingt kastriert werden, um unerwünschten Nachwuchs zu vermeiden. Eine weibliche Ratte bringt zwischen 10 und 15 Junge pro Wurf auf die Welt.

Haltung

Ratten klettern und erkunden ihre Umgebung gerne von oben, weshalb sich Volieren mit mehreren Etagen am besten als Rattenheim eignen. Für kleine Gruppen von 4 Tieren sollte die Voliere eine Mindestgröße von 100 cm Länge, 60 cm Breite und 120 cm Höhe haben. Der Käfig sollte neben Klettermöglichkeiten auch mit vielen Versteckmöglichkeiten wie Röhren, Häuschen, Brücken und Stegen ausgestattet werden. Auch Hängematten und Körbe erfreuen sich großer Beliebtheit. Der Rattenkäfig sollte regelmäßig neu umgestaltet werden, da den neugierigen Tieren sonst schnell langweilig wird. Als Einstreu eignet sich am besten Hanf oder Waldbodenstreu. Handelsübliche Sägespäne sollten nicht verwendet werden, da dieses zu sehr staubt und die Atemwege reizen kann. Holzpellets sind ebenfalls nicht zu empfehlen, da die Füße sehr empfindlich sind und sich leicht entzünden können. Heu und Stroh sollte nur in kleinen Mengen als Nistmaterial angeboten werden und um den Rohfasergehalt zu decken. Ratten sind sehr reinlich und werden nicht selten stubenrein, weshalb man ihnen eine Toilette mit Chinchillabadsand anbieten sollte.

Ratten sollten täglich mindestens 2-3 Stunden Auslauf bekommen, die Wohnung bzw. ein Zimmer muss davor unbedingt rattensicher gemacht werden. Ratten sind sehr intelligente und lernfreudige Tiere, die auch gerne das eine oder andere Kunststück erlernen.

Fütterung

Ratten sind grundsätzlich Allesfresser, die über den Tag mehrere kleine Mengen zu sich nehmen. Trotzdem sollte man auch in der Heimtierhaltung auf eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung achten, die sich die Tiere gerne auch erarbeiten können. Als Grundnahrung sollte eine Futtermischung mit verschiedenen Getreideartenangeboten werden. Diese sollte frei von fettreichen Samen wie Sonnenblumen, Mais oder Kürbiskernen sein. Diese dürfen nur als Leckerbissen oder Belohnung gegeben werden.

Frischfutter

Frischfutter sollten den Tieren 2-3-mal täglich angeboten werden. Man sollte den Tieren täglich nach Futterresten absuchen, da die Tiere gerne horten. Als Frischfutter eignet sich Gemüse wie Karotten, Gurke, Paprika, Zucchini sowie kleine Mengen Salat (am liebsten werden Bittersalate angenommen).

Kräuter wie Basilikum, Petersilie oder Dille sind auch eine willkommene Abwechslung am Speiseplan. Obstsorten wie Apfel, Birne, Pfirsich, Banane, Trauben oder Melone sollten nur in kleinen Mengen gegeben werden, da sie sonst schnell zu Durchfällen führen. 2-3-mal pro Woche können als Leckerbissen gekochte Nudeln, Reis oder Kartoffeln gegeben werden.

Eiweißlieferanten

Als Eiweißlieferant eignen sich ein kleines Stück milder Käse, ein Klecks ungesüßter Naturjoghurt oder Topfen sowie ein kleines Stück gekochtes Ei. Der Proteinbedarf bei Jungtieren, trächtigen oder säugenden Tieren ist wesentlich höher. Grundsätzlich können eiweißhaltige Snacks 1 - 2 mal pro Woche gegeben werden.

Zum Nagen

Zum Nagen kann man den Tieren Äste von ungespritzten Bäumen anbieten. Hierfür eignen sich Zweige vom Apfel-; Birnenbaum oder von Hasselnusssträuchern. Als Leckerbissen können kleine Mengen Nüsse oder Maiskörner gegeben werden.

Wasser

Frisches Wasser sollte stets in Trinkflaschen oder glasierten Keramiknäpfen zur Verfügung stehen.

Häufige Krankheiten

Atemwegserkrankungen

Ratten neigen zu infektiösen Atemwegserkrankungen. Diese äußern sich durch Niesen, Nasen oder Augenausfluss, sowie knackenden Atemgeräuschen. Roter Nasen oder Augenausfluss sollte nicht mit Blut verwechselt werden. Es handelt sich um das Sekret der Harderschen Drüse, dieses Sekret wird von den Ratten beim Putzen übers Fell verteilt. Das Sekret hat zu Teil auch Pheromonwirkung. Ein Tier, das krank ist oder sich unwohl fühlt pflegt sich weniger und deshalb bleibt dieses Sekret im Augenwinkel oder um die Nasenöffnungen zurück.

Milben

Diese können über das Heu oder durch die Einstreu eingeschleppt werden. Die Ratten beginnen sich vermehrt zu kratzen und beißen, wodurch schnell blutige Krusten am Körper der Tiere entstehen. Die Milben selbst sind mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen.

Tumore

Meistens Brustdrüsentumoren kommen bei Tieren, die älter als Ein Jahr sind recht häufig vor. Sie wachsen sehr schnell und nehmen oft eine erhebliche Größe ein.

Sollte ihr Tier eine dieser Krankheiten bzw. Symptome aufweisen, sollten sie unverzüglich einen Tierarzt aufsuchen.

 © Mag. Jennifer Malandi, Kleintierklinik Breitensee, Februar 2018