Katarakt - Grauer Star

Unter Katarakt wird jede Trübung einer Linse verstanden. Diese Linsentrübung kann klein sein, dass sie das Sehvermögen nicht beeinträchtigt. Sie kann sich allerdings auch auf die gesamte Linse ausdehnen. Dann resultiert deutliche Seheinschränkung oder gar Blindheit. Leider schreiten die meisten Katarakte fort.Die häufigste Ursache ist eine erbliche Veranlagung, wobei der Zeitpunkt des Auftretens sehr unterschiedlich sein kann. Ferner sehen wir oft Katarakte als Folge eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Auch Verletzungen oder Entzündungen können Kataraktbildung zur Folge haben.

Was ist wenn nur ein Auge betroffen ist?

Dann hat Ihr Hund (oder Katze) einerseits ein eingeschränktes Sehfeld, er oder sie sieht nur noch links- oder rechtsseitig. Andererseits ist auch das räumliche Sehvermögen nicht mehr gegeben. Das heißt, dass Distanzen schlechter eingeschätzt werden können. Für eine grobe Orientierung ist meist ein sehendes Auge ausreichend. Wenn aber beide Augen sehend sind resultiert eine deutliche Verbesserung des Sehens und vor allem eine größere Sicherheit und Aufmerksamkeit des Tieres. „Mit dem zweiten sieht man besser!“

Wie kann eine Katarakt behandelt werden?

Auch wenn immer wieder neue Präparate auf den Markt gelangen, die gegen die Bildung des Grauen Stars wirken sollen, ist die einzig anerkannte und wirksame Therapiemöglichkeit zurzeit immer noch die Operation.

Die Operation verläuft im Wesentlichen genau so wie beim Menschen. Man entfernt die trübe Linse und setzt eine Kunstlinse ein. Allerdings bedarf es beim Hund einer Allgemeinanästhesie und die Operation ist nicht zuletzt deswegen aufwändiger. Die Eröffnung des Auges erfolgt durch einen kleinen 3 mm langen Schnitt und die Linse wird anschließend mittels Phakoemulsifikation (oft fälschlich als Laser bezeichnet) zerkleinert und abgesaugt. Dies geschieht innerhalb des Kapselsacks der Linse, sodass dieser verbleiben und anschließend genutzt werden kann um die Kunstlinse einzusetzen. Am Ende wird die Wunde mit Nahtmaterial wieder vernäht, welches vom Körper resorbiert wird. Dieses ist sehr dünn.

Warum eine Kunstlinse?

Die Kunstlinse mit ca. +41 Dioptrien ermöglicht dem Hund ein deutlich verbessertes Sehen nach der Operation. Dies ist vor allem im Nahbereich zu bemerken. Ferner dient die Linse einer zusätzlichen Stabilisierung der inneren Organe im Auge, vor allem des Glaskörpers, der hinter der Linse lokalisiert ist. Wenn dieser in die vordere Augenkammer gelangt kann er Probleme verursachen.

Aber auch in den Fällen (ca. 5 %), wo eine Kunstlinse nicht implantierbar ist, kann der Hund im Anschluss wieder sehen, allerdings gilt er dann als weitsichtig und kann Schwierigkeiten im Nahbereich zeigen.

Prognose und Komplikationen

Die Erfolgsrate ist von vielen Faktoren abhängig.

Vorausgesetzt die Voruntersuchungen (ERG, Sonographie, Gonioskopie) ergeben keinen auffälligen Befund, schätzen wir die Aussicht auf Sehvermögen nach der Operation bei Ihrem Tier auf 75-85 %. Die insgesamt seltenen Komplikationen umfassen neben dem normalen Narkoserisiko vor allem Glaukombildung (Grüner Star, Augenüberdruck), intraokuläre Entzündung mit Narbenbildung (mit und ohne Infektion), Netzhautablösung und Linseninstabilität. Bei den meisten dieser Veränderungen kann allerdings medikamentell oder ggf. chirurgisch eine Lösung gefunden werden. Solche Komplikationen können dazu führen, dass die Operation keinen Erfolg hatte und das Sehvermögen nicht wieder hergestellt werden konnte.

Was ist nach der Operation?

Die Operation der Katarakt wird ambulant durchgeführt, das heißt der Patient wird noch am selben Tag nach Hause entlassen. Sie erhalten genaue Anweisungen wie die Medikamente nach der Operation gegeben werden müssen. Für die ersten 14 Tage postoperativ muss ihr Tier einen Plastikkragen tragen, damit verhindert wird, dass er am Auge kratzt oder sich den Kopf an Gegenständen scheuert. Auch dürfen keine weiteren Hunde im Haushalt an dem Auge lecken. Ihr Tier kann mit dem Kragen sowohl fressen als auch trinken. Wir empfehlen ein- bis zweimal täglich den Kragen und den Halsbereich des Hundes zu reinigen um Hautreizungen oder -infektionen zu vermeiden. Während dieser Zeit muss jemand auf den Hund aufpassen und verhindern, dass er am Auge reibt. Sollte die Naht durch Scheuern aufgehen, ist eine zweite Operation erforderlich und die Prognose sinkt.

Zug am Halsband ist unbedingt zu vermeiden und wir empfehlen ein Brustgeschirr für diesen Zweck. Während dieser zwei Wochen nach der Operation soll Ihr Hund nicht mit anderen Hunden oder mit Spielzeugen spielen und muss draußen an der Leine geführt werden. Schwimmen ist ebenfalls verboten. Nach der Operation kontrollieren wir die Augen nach 1 und nach 2 Wochen als auch nach 2 Monaten, sofern nicht anders erforderlich. Regelmäßige Kontrollen nach 6-12 Monaten werden angeraten um spätere Veränderungen, die das Sehvermögen beeinträchtigen, zu erkennen und ggf. zu behandeln.

Wann kann mein Hund/ meine Katze wieder sehen?

Sobald Ihr Tier aus der Narkose erwacht ist, kann es wieder sehen.

Was passiert wenn ich die Operation nicht durchführen lasse?

Wenn die Kataraktoperation – aus welchen Gründen auch immer – nicht erfolgt, setzt sich eine kontinuierliche Freisetzung von Linsenweiß in das Auginnere fort und verursacht eine mehr oder weniger starke Entzündung (linseninduzierte Uveitis). Hieraus können Komplikationen wie Linsenverlagerung, Glaukom (Grüner Star) oder Netzhautablösung resultieren. Eine Netzhautablösung ist an sich nicht schmerzhaft, aber die anderen Komplikationen können eine Therapie erforderlich machen. Sollte bei Ihrem Hund keine Kataraktoperation durchgeführt werden, empfehlen wir eine regelmäßige Druckkontrolle des Augendrucks alle 3-6 Monate. In einigen Fällen ist auch die medikamentöse Behandlung der Entzündung notwendig.

 

© Dr. Jens Linek, FTA Chirurgie, Zusatzbez. Augenheilkunde, AniCura Tierärztliche Spezialisten Hamburg, Oktober 2016