Horner Syndrom

Das Horner-Syndrom ist eine nervale Erkrankung des Sympathikus-Nerven, die sich mit Veränderungen am Auge darstellt. Es fällt das dritte Augenlid vor und das Auge sieht „weggedreht“ aus. Dem Tier geht es in aller Regel gut dabei. Nur wenn beide Seiten betroffen sein sollten ist das Sehvermögen eingeschränkt.

Was ist ein Sympathikus-Nerv?

Hierzu muss man wissen, dass sich im Körper zwei Nervensysteme die Waage halten. Zum einen gibt es das parasympathische Nervensystem und zum anderen das sympathische. Es sind unwillkürliche Nerven, die die verschiedensten – nicht direkt kontrollierbaren – Aufgaben im Körper erfüllen. Hierzu zählt beispielsweise die Darmfunktion, oder auch die Herz- und Kreislauffunktion.

Der ganze Körper ist von sympathischen und parasympathischen Nervenfasern durchzogen, die die verschiedensten Organe und Reflexe steuern.

Was sind die Symptome des Horner-Syndroms?

Durch den Ausfall des Sympathikus-Nerven auf der betroffenen Seite kommt es zur Verengung der Pupille. Dies lässt sich im Vergleich mit der „gesunden“ Seite gut feststellen. Durch Einsinken des Augapfels in die Augenhöhle erscheint das Auge kleiner und das dritte Augenlid, die sog. Nickhaut fällt vor und bedeckt einen Teil des Auges. Ferner kommt es zum „Hängen“ der Lider, besonders des Oberlids auf der Seite.

Wie kommt es zum Horner-Syndrom?

Der Sympathikusnerv entspringt dem Gehirn, verläuft entlang des Rückenmarks bis in den Brustkorb. Dort verlässt er das Mark und kehrt in seiner Richtung um, wieder kopfwärts. Parallel zur Halsschlagader streift er das Mittelohr um dann im Bereich des Auges, besonders der Regenbogenhaut sein Zielorgan zu finden.

Irgendwo auf diesem Wege ist der Nerv geschädigt. Dies kann eine Stauchung oder Zerrung sein, die beispielsweise durch einen Ruck oder Stoß oder Unfall ausgelöst wurde. Es kann aber auch eine Quetschung des Nerven durch Vermehrung von umliegendem Gewebe zur Funktionsstörung führen. In Frage kommen da Abszesse; Tumore; Bandscheibenvorfälle u.a.

Häufig sehen wir Horner Erkrankungen bei Golden Retrievern, bei denen eine eigenständige Form bekannt ist. So spontan wie es auftritt, verschwindet es bei diesen meistens nach 3-4 Monaten.

Wie geht man vor?

Wichtig ist herauszufinden, wo der Nerv genau geschädigt ist, damit die Erkrankung besser eingeschätzt werden kann. Hierbei bedient sich der Tierarzt, insbesondere der Augenspezialist, eines pharmakologischen Tests, der ca. 30 Min in Anspruch nimmt.

In diesem Zusammenhang ist eine Röntgenaufnahme hilfreich, die Veränderungen im Brust/Halsbereich aufzeigen kann.

Auch eine Blutuntersuchung kann Hinweise liefern.

Bei Katzen ist das Horner-Syndrom meist schwerwiegenderer Art. Eine eigenständige und damit auch harmlosere Form gibt es hier nicht.

Wie behandelt man die Krankheit?

Die Behandlung des Horner-Syndroms ist schwierig, da häufig eine ursächliche Zuordnung nicht möglich ist.

Die eigenständige Form, die u.a. beim Golden Retriever auftritt, bedarf keiner Behandlung.

Bei einem Mittelohrproblem ist dieses zu lokalisieren und zu lösen. Dermatologe und Chirurg können hier Lösungswege aufzeigen. Ein „zentrales“ Hornersyndrom, eines welches im Gehirn seine Ursache hat, ist oft auf tumoröse Krankheiten zurückzuführen. Dem entsprechend schlecht fällt auch die Prognose aus.

Die Symptome des Nickhautvorfalls lassen sich zumindest medikamentös lindern.

 

© Dr. Jens Linek, FTA Chirurgie, Zusatzbez. Augenheilkunde, AniCura Tierärztliche Spezialisten Hamburg, Oktober 2016