Schliafhansel

Einmal im Fell verfangen, beginnen die Grannen mitunter eine lange Wanderung, bohren sich durch Fell und Haut und können schmerzhafte Entzündungen nach sich ziehen.

Die Grannen der Mäusegerste (Hordeum murnium), welche in ganz Mitteleuropa, in Österreich vor allem im Osten weit verbreitet ist, haben vor allem in den Sommermonaten für viele Hunde und Katzen und deren Besitzer ein bitteres Nachspiel beim Tierarzt zur Folge. Die Pflanze wächst oft an Wegrändern oder säumt Gestrüpp und ist dadurch oft entlang beliebter Spazierwege anzutreffen

Die spitzen, mit Widerhaken besetzten Grannen, der im österr. Volksmund auch als „Schliafhansel“ bezeichneten Früchte der Mäusegerste werden hier von umherstreifenden Vierbeinern gerne „aufgesammelt“.

Bleibt diese Ernte unbemerkt, kann dies oftmals schmerzhafte Folgen nach sich ziehen: Einmal im Fell verfangen, beginnen die Grannen mitunter eine lange Wanderung, bohren sich durch Fell und Haut und können – dort erst einmal angelangt – schmerzhafte Entzündungen nach sich ziehen. Der Name ist in diesem Fall leider auch oft Programm.

Hierbei besonders gefährdet, sind Pfoten, Ohren, Nase, Augen, aber auch jede andere Stelle ist möglich, der Schliafhansel hält sich hierbei nicht an Regeln und es gibt quasi keine Stelle im Hunde- oder Katzenkörper, wo er noch nicht angetroffen wurde.

Falls also Spaziergänge in betroffenen Gebieten an der Tagesordnung stehen oder der Stubentiger fragliche Pflanzen in seinem Revier vorhanden hat und das Tier beginnt, sich die Ohren zu kratzen, Entzündungszeichen wie Rötung, Ausfluss an Nase, Augen Maul oder Lahmheit an einer oder mehreren Beinen zeigt, oder sich vermehrt an einer Stelle schleckt, ist eine Untersuchung auf das mögliche Eindringen einer solchen Mäusegerstengranne durch einen Tierarzt dringend indiziert.

Zur Gänze verhindern kann man einem solchen Fall leider endgültig nicht, jedenfalls empfiehlt es sich aber, in den Sommermonaten in betroffenen Gebieten die Fellnase nach dem Auslauf gründlich auf etwaige Pflanzenteile, welche sich im Fell verhakt haben, könnten zu untersuchen und diese gleich abzusammeln. Bei langhaarigen Tieren kann das Einkürzen von Haaren an Ohren und Pfoten das Risiko senken. Im Idealfall lässt sich der Kontakt zur grannentragenden Mäusegerste gänzlich vermeiden.

 © Mag. Eva Gugglberger, Kleintierklinik Breitensee, Februar 2018