Wasserschildkröten artgerecht halten – So fühlt sich Ihr schwimmendes Panzertier wohl

Nicht nur Landschildkröten haben mittlerweile als beliebtes Heimtier Eingang in so manches Zuhause gefunden, sondern auch ihre schwimmfähigen Artgenossen – die Wasserschildkröten – sind begehrte Anwärter auf den Posten als neuer Mitbewohner.

Um den exotischen Heimtieren in Ihrem Hause ein gesundes, glückliches und schwimmfreudiges Leben zu ermöglichen, ist es bedeutsam, Wasserschildkröten artgerecht zu halten. Denn viele Krankheiten resultieren entweder direkt oder indirekt aus schlechten Haltungsbedingungen. Da jedoch nicht jede Wasserschildkröte dieselben Haltungsansprüche stellt, ist darüber hinaus die Kenntnis der genauen Spezies unabdingbar, um auf etwaige Besonderheiten ihrer Haltung eingehen zu können. Aus diesem Grund sollte der Anschaffung eines exotischen Reptils stets eine intensive Auseinandersetzung mit der jeweiligen Art und ihren Ansprüchen an ihre Lebensbedingungen vorausgehen. 

Folgende Fragen lassen sich beispielsweise mit der Artbestimmung für die artgerechte Haltung von Wasserschildkröten ableiten:

Wasserschildkröten halten - Alleine oder in Gruppen?

Tendenziell handelt es sich bei den schwimmfreudigen Panzertieren eher um Einzelgänger. Untereinander gibt es oftmals Dominanzverhalten und Stress, weshalb es am sinnvollsten ist, Wasserschildkröten einzeln zu halten.

In welcher Behausung soll ich meine Wasserschildkröte halten?

Bei der Wahl der Behausung für Wasserschildkröten ist besondere Vorsicht geboten: Viele Zoohandlungen führen Aquariensets, bestehend aus Abdeckung und Lichtröhren, welche ein stetes feucht-warmes Klima im Behältnis schaffen. Dieses ist allerdings nur für Fische optimal und erweist sich als ungeeignet für die Haltungsansprüche der Wasserschildkröte. Denn so gern diese ihren Wassersport genießt, benötigt sie auch einen Landanteil zum Luftholen, Ausruhen, Sonnen sowie ihre Eiablage. Dies ist der Grund, weshalb Sie nur in einem Aquarium mit vorhandenem Landanteil oder einem Aquaterrarium Ihre Wasserschildkröte wirklich artgerecht halten können. 

Reine Aquarien mit Abdeckung verhindern, dass die Wasserschildkrötenpanzer und -haut an einem Sonnenplatz an Land vollständig trocknen und sich wärmen können. Darüber hinaus birgt dieses Klimaverhältnis leider auch einige Gesundheitsrisiken für Ihren gepanzerten Liebling: Ein feuchter Panzer beherbergt Pilz- und Algenansammlungen und auch die Lunge der Wasserschildkröte wird in Mitleidenschaft gezogen, wenn die Luftfeuchte zu hoch ist. 

Größe des Aquaterrariums

Unabhängig davon, ob Sie ein Jungtier oder eine bereits erwachsene Wasserschildkröte halten möchten, gilt es ihre artspezifische Größe als ausgewachsene Wasserschildkröte zu berücksichtigen. Hierfür bietet es sich im Falle eines Jungtieres an, von vornherein ein Aquaterrarium (oder Aquarium mit Landanteil) zu nehmen, welches auch dem ausgewachsenen Tier ausreichend Platz bietet. So muss das noch wachsende Panzertier auch nicht mehr aus seiner bekannten Umgebung gerissen und an eine andere Behausung gewöhnt werden. Ein zusätzlicher Vorteil besteht darin, dass auch der Wasseranteil längere Zeit in sauberem Zustand bleibt, da ein kleines Aquaterrarium schneller eine schlechtere Wasserqualität aufweist.

Prinzipiell sollte die Behausung mindestens 3mal so lang und 2mal so breit wie die ausgewachsene Panzerlänge sein und auch die Wassertiefe mindestens die doppelte Panzerlänge Ihrer ausgewachsenen Schildkröte betragen.

Ihr schwimmfreudiger Mitbewohner dankt es Ihnen jedoch von ganzem Herzen, wenn Sie das Aquaterrarium wesentlich größer gestalten! Und auch Sie werden Ihren exotischen Liebling bei mehr Bewegungsfreiheit umso naturnäher und agiler erleben können. 

Land- und Wasseranteile und entsprechende Ausstattung

Als wechselwarme Tiere regulieren Wasserschildkröten ihre Körpertemperatur über externe Wärme- und Kältequellen. 

Daher ist es notwendig, Ihrem Panzertier im Aquaterrarium die folgenden Plätze zur Verfügung zu stellen, um ihm je nach Bedarf Wärmezufuhr oder eine Abkühlungsmöglichkeit zu bieten: 

Um die Wasserqualität sicherzustellen, muss der Wasserbereich mit einem Sprudler und Wasserfilter ausgestattet sein. 

Der Landbereich sollte eine Wärme- und UV-Lampe enthalten. Auch beim Kauf dieser Ausrüstung sind viele in Tierhandlungen angebotene Sets nicht geeignet, um Wasserschildkröten damit artgerecht halten zu können. Denn einige Leuchten beinhalten keine UV-Strahlung. Diese ist jedoch für die Gesundheit Ihres gepanzerten Schützlings unabdingbar, da sie essentiell für ihre Verdauung sowie den Kalzium- und Knochenstoffwechsel sind. 

Je nach Art der Schildkröte ist die Heizung des Wassers mittels Heizstab nicht unbedingt notwendig. Für tropische Arten ist er unerlässlich, anderen Schildkröten genügt die Zimmertemperatur. Wie Sie sehen, ist die genaue Kenntnis der jeweiligen Haltungsansprüche enorm wichtig, um die Tiere gesund zu erhalten.

Bei welcher Umgebungstemperatur muss ich meine Wasserschildkröte halten?

Die Wohlfühltemperatur von vielen Wasserschildkröten beträgt mehr als 30 Grad. Auf dem Sonnenplatz darf die Umgebungstemperatur je nach Schildkrötenart gerne auch 45 Grad erreichen. Arten, die z. B. in Nordamerika bis nach Kanada vorkommen, haben hingegen andere Bedürfnisse.Zu hohe Temperaturen können sich negativ auf die Gesundheit Ihrer Schildkröte auswirken und diese in eine sogenannte Wärmestarre versetzen. In diesem Fall gilt es umgehend einen Tierarzt für Reptilien zu konsultieren. 

Ein Thermometer gehört also zur Grundausstattung des Aquaterrariums, um die Temperatur regelmäßig überprüfen zu können. 

Wichtig: Informieren Sie sich, ob für die von Ihnen gehaltene Schildkrötenart eine Überwinterung wichtig ist oder ob sie im Tagesverlauf wechselnde Temperaturen benötigt! Während der mehrere Monaten dauernden Überwinterung wird die Schildkröte bei relativ niedrigen Temperaturen untergebracht. Damit es im Frühling keine böse Überraschung gibt, lassen Sie sich unbedingt beraten, wie die Überwinterung am besten abläuft. 

Weitere Hinweise zur Ausstattung der Behausung

Eiablageplatz

Da weibliche Wasserschildkröten auch einzeln gehalten Eier legen, ist die Errichtung eines Buddelbereichs zur Eiablage unbedingt notwendig. Dieser sollte sich in einiger Entfernung zum Wassereinstieg befinden, sodass die Panzertiere nicht befürchten, ihre Eier könnten überschwemmt werden. Vollziehen sie ihre Eiablage nicht, wie im Falle eines unzureichenden Eiablageplatzes, droht eine gefährliche Legenot.

Auch die Bodenbeschaffenheit des Eiablageplatzes sollte unbedingt den Bedürfnissen der Wasserschildkröte angepasst sein, da sie andernfalls ebenso in Legenot kommen könnte. Ein geeigneter Platz ist trocken, sandig, gut zum Graben und vor allem auch tief genug, um dort die Eier verbuddeln zu können. Achten Sie darauf, dass der Boden weder steinhart noch zu weich ist.

Bieten Sie Ihrem Exoten darüber hinaus einen abwechslungsreichen Lebensraum, indem Sie das Aquaterrarium mit schwimmenden Inseln, Steinen, Holzstücken und ungiftigen Pflanzen ausstatten.

Abdeckung

Sie sollten die Behausung Ihrer Wasserschildkröte stets abgedeckt halten, da die sensiblen Exoten empfindlich bei Zugluft sind. Darüber hinaus sind Schildkröten gute Kletterer, weshalb Sie mit einer entsprechenden Abdeckung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Tiere werden geschützt, ein angemessenes Maß an Feuchtigkeit wird in der Umgebung Ihrer Wasserschildkröte gehalten und trotzdem zugleich die Frischluftzufuhr sichergestellt. Für Letzteres muss unbedingt gesorgt werden! In der Abdeckung müssen ausreichend große Löcher zur Belüftung enthalten sein. Alternativ kann ein Teil des Aquaterrariums auch mit einem Gitter abgedeckt werden.

Mit artgerechter Ernährung Wasserschildkröten gesund halten

Geeignetes Futter

Die meisten Wasserschildkröten Arten sind Pflanzenfresser, doch auch Fleisch ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Nahrung. Insbesondere junge Schildkröten ernähren sich tierisch - das Jagen nach Beute schafft eine willkommene Beschäftigung mit leckerem Endresultat. 

Bereiten Sie Jungtieren deshalb allerlei Freude durch die Verfütterung von z. B. Flohkrebsen, Wasserflöhen, Mücken- oder Eintagsfliegenlarven. Diese finden Sie oft bereits in speziell für Schildkröten zubereiteten Dosen im Tierhandel. 

Für eine pflanzliche Ernährung eignen sich beispielsweise Wasserlinsen, Wassersalat, Seerosen, Froschbiss, Teichlebermoos und Löwenzahn. Ein kleiner Anteil von diesen pflanzlichen Nahrungsmitteln sollte sich stets im Becken befinden, sodass die Wasserschildkröte jederzeit zu diesen Zugang hat. Wasserpflanzen in ausreichendem Maße selbst zu züchten, ist oft ein Ding der Unmöglichkeit, weil Wasserschildkröten sehr gute Esser sind. Zum Glück lässt sich dies auch über Salat und Wildkräuter ergänzen.

Wasserschildkröten benötigen ausreichend Calcium und Vitamin D3 zur Bildung des Panzers sowie zum Knochenaufbau. Ein Mangel an einem dieser beiden Stoffe kann zur sogenannten Rachitis führen, die manchmal sogar im Tod mündet. Tierische Nahrung wie beispielsweise Regenwürmer, Schnecken, Garnelen oder auch Bachflohkrebse liefern die wichtigen Bausteine, die Ihre Wasserschildkröte gesund halten. Ein Sepiaschulp, der im Wasser schwimmt, steht den Schildkröten permanent als Calciumquelle zur Verfügung, an der sie knabbern, wenn sie zusätzlichen Bedarf haben.

Auch die UV-Bestrahlung deckt bei jenen Wasserschildkröten Arten, die sich vorwiegend pflanzlich ernähren, die Bildung von Vitamin D3 ab. Ebenso besteht auch die Möglichkeit, ein zusätzliches Ergänzungsfuttermittel zu geben. Sprechen Sie dies bestenfalls mit einem Tierarzt für Reptilien ab, sodass die angemessene Fütterung Ihres Exoten gewährleistet bleibt.

Einer Unterversorgung mit Vitamin A beugen Sie durch ausreichende Pflanzenfütterung vor - es ist in tierischen Futtermitteln nicht enthalten. Einmal die Woche etwas gerieben Möhre hilft ebenfalls.

Ungeeignetes Futter

In Zoohandlungen gibt es z. B. Pellets als Alleinfuttermittel für Wasserschildkröten. Dies enthält in der Regel einen hohen Anteil von Stärke und ist nur bedingt als Dauerfütterung geeignet. Da es aber in der Regel alle notwendigen Vitamine enthält, spricht nichts gegen z. B. eine einmal wöchentliche Fütterung. 

Auch die Verfütterung von Obst und Gemüse ist nicht empfehlenswert, da diese den Schildkröten Verdauungsstörungen verursachen. Einzige Ausnahme bilden die oben erwähnten Karotten, die in kleinen Mengen den Vitamin-A-Haushalt stützen können.

Reinigung

Achten Sie darauf, sowohl Land- als auch Wasserbereich Ihrer Wasserschildkröte sauber zu halten, indem Sie beide einer regelmäßigen Reinigung unterziehen. Besonders bei der Wasserqualität besitzt Sauberkeit oberste Priorität, weshalb neben einer oft wiederkehrenden Reinigung auch eine gute Filteranlage bedeutsam ist. 

Verhaltensbeobachtungen

Die regelmäßige Beobachtung Ihrer Wasserschildkröte kann Ihnen als Besitzer große Freude bereiten. Sie ist überdies auch sehr wichtig, um frühzeitig auffällige Verhaltensweisen zu identifizieren und diese gegebenenfalls bei einem Tierarztbesuch abzuklären. 

Über Verhaltensauffälligkeiten gibt Ihnen insbesondere das Schwimmverhalten Ihrer Schildkröte Aufschluss. Beispielsweise können folgende Fragen helfen:

Weist eine Schildkröte Schwimmprobleme auf, kann dies viele verschiedene Ursachen haben, weshalb ihr Zustand dringend zeitnah bei einem schildkröten-kundigen Tierarzt abzuklären ist. 

Wasserschildkröten artgerecht halten

Nur wer weiß, zu welcher Art seine Wasserschildkröte gehört und ihre artspezifischen Besonderheiten und Ansprüche an ihren Lebensraum beachtet, kann dem exotischen Wildtier ein möglichst naturnahes und gesundes Leben ermöglichen. Die artgerechte Gestaltung der Größe und Ausstattung ihrer Behausung sowie eine den artspezifischen Ernährungsbedingungen entsprechende Fütterung erweisen sich als essenzielle Grundpfeiler einer gesunden Entwicklung Ihrer Wasserschildkröte. Informieren Sie sich hierzu vor der Anschaffung eines Tieres ausgiebig! Bei der regelmäßigen Beobachtung Ihres Lieblings können Sie zugleich nach Verhaltensauffälligkeiten Ausschau halten, um potenzielle gesundheitliche Veränderungen frühzeitig ausfindig machen und behandeln lassen zu können.

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