Schlange als Haustier

Schlangen sind exotische und mysteriöse Tiere, welche auf viele Menschen eine besondere Faszination ausüben. Die Entscheidung, eine Schlange als Haustier zu halten, will gut überlegt sein. Oftmals kommt der Gedanke auf, dass diese Schuppentiere wenig benötigen und sehr pflegeleicht sind, was jedoch nicht der Wahrheit entspricht. Schlangen haben ganz besondere Bedürfnisse. Man benötigt ausreichende Kenntnisse über Aufbau und Ausstattung des Terrariums, die Futtergewohnheiten und vieles mehr. Nur so kann man eine artgerechte Haltung ermöglichen. Welche Punkte genau zu beachten sind, damit sich Ihr Kriechtier wohlfühlt, führen wir im Folgenden auf. 

Sind Schlangen als Haustiere in Deutschland erlaubt?

Nach aktueller Gesetzeslage ist die private Schlangenhaltung zulässig. Lediglich Gift- und Würgeschlangen unterliegen einer Melde- oder Erlaubnispflicht. Aber auch das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Informieren Sie sich daher vor der Anschaffung dieses Tieres über alle geltenden Regelungen. 

Halten Sie sich auch an die Bedingungen des Mietvertrages. Fragen Sie im Zweifel nach, bevor Sie sich eine Schlange als Haustier anschaffen. Sinnvoll wäre es auch, die Nachbarn nach deren Meinung zu fragen bzw. sie darüber in Kenntnis zu setzen, dass Sie sich ein solches Reptil ins Haus holen wollen. 

Folgende Schlangen eignen sich als Haustier 

Je nachdem, ob Sie das erste Mal eine Schlange als Haustier halten wollen, oder schon Erfahrung mit diesem Reptil haben, sollten Sie sich eine jeweils andere Art zulegen. Für Einsteiger sind Nattern (z.B. Kornnatter oder Königsnatter) sehr gut geeignet, da diese Schlangen klein, pflegeleicht und ungiftig sind. Erfahrene Halter können natürlich anspruchsvollere Schlangen als Haustier wählen und entscheiden sich dabei gerne für einen Python oder eine Boa. Dafür sind Nattern eher aktiver und auch unruhiger, Pythons zeigen meist weniger Aktivität.

Lebenserwartung 

Schlangen haben eine relativ hohe Lebenserwartung (je nach Art bis zu 30 Jahren), weshalb sie meist ein Haustier fürs Leben sind. Wenn Sie sich nicht damit anfreunden können, über so viele Jahre hinweg für eine Schlange zu sorgen, sollte die Wahl auf ein anderes Haustier fallen. 

Schlange als Haustier richtig halten – Diese Punkte müssen Sie beachten 

Die Größe des Terrariums

Schlangen werden als Haustiere nicht frei, sondern in Terrarien gehalten. Die Behausung kann zum einen aus Vollglas bestehen. Zum anderen kann es auch aus Holz oder Kunststoff gefertigt sein, sofern große Glasfenster vorhanden sind. Wichtig ist, dass es keine Spalten oder Löcher gibt, durch welche die Schlange flüchten könnte. Schlangen passen durch erstaunlich enge Schlitze! Es empfiehlt sich, das Terrarium mit einem Schloss zu versehen.

Orientieren Sie sich bei den Maßen des Terrariums an der Größe des Tieres und dem Bewegungsbedarf der jeweiligen Schlangenart. Jungtiere sollten generell zu Beginn in kleinen Behältern gehalten werden, ehe sie in ein großes Terrarium umziehen. Die Schlange muss sich komplett ausstrecken können und genug Platz zum Kriechen haben. Dafür sind große Terrarien erforderlich, deren Platzbedarf Sie nicht unterschätzen sollten. Der Platzbedarf variiert auch je nach Schlangenart: Lauerjäger benötigen eher weniger Bewegung. Schlangen, die aktiv jagen, wie z. B. Strumpfbandnattern, haben ein deutlich größeres Bewegungsbedürfnis und brauchen entsprechend deutlich größere Terrarien.

Die optimale Temperatur 

Schlangen sind wechselwarme Tiere, deren Körpertemperatur von der Umgebung abhängt. Sie können ihre Körpertemperatur nur selbst steuern, indem sie nach Bedarf wärmere oder kühlere Plätze zum Verweilen aufsuchen. Im Terrarium sind Schlangen also auf die Wärmezufuhr durch ihren Halter angewiesen. Informieren Sie sich im Vorfeld über die verschiedenen Bedürfnisse der Schlangenart, die Sie anschaffen möchten, damit Sie die Temperatur entsprechend anpassen können. 

Sorgen Sie stets für einen sehr warmen Sonnenplatz, der groß genug für ein Ganzkörper- Sonnenbad ist. Das können Sie beispielsweise mit Infrarot-Wärmelampen gewährleisten. Bieten Sie Ihrem Kriechtier auch etwas weniger warme Stellen. Viele Schlangen bevorzugen auch eine kühlere Ecke, welche sie vor allem zu den Häutungsphasen aufsuchen oder nach der Fütterung, um die Verdauung anzuregen. 

Sie können z. B. eine Zwischenebene ins Terrarium einbauen, die näher an der Wärmequelle liegt. So vergrößert sich zusätzlich die Grundfläche der Schlangenbehausung. 

Das richtige Substrat 

Für das Wohlbefinden der Schlange als Haustier spielt auch der Bodengrund eine wichtige Rolle. Es gibt für jede Schlangenart spezielle Substrate, die Sie im Fachhandel erwerben können. Schlangen, die sich gern eingraben, benötigen höher aufgeschüttetes Substrat.

Plätze zum Verstecken

Schlangen sollten im Terrarium über einen Rückzugsort verfügen. Kleine und enge Verstecke geben der Schlange ein Gefühl der Sicherheit.

Möglichkeiten zum Klettern 

Klettermöglichkeiten, wie zum Beispiel Äste, sind für viele Schlangenarten wichtig. Verankern Sie die Äste sicher und fest, sodass diese weder zusammenbrechen noch abrutschen können. 

Feuchtigkeit

Die Ansprüche an den Feuchtigkeitsgehalt im Terrarium variieren mit der Schlangenart. Je nachdem, ob die Schlange in der Natur im Regenwald oder eher in der Steppe lebt. Für alle Schlangen sinnvoll ist eine Wet-Box: Eine Plastikbox mit Deckel, in welche die Schlange gut hineinpasst, bekommt eine Öffnung zum Hineinkriechen. Die Box wird gefüllt mit feuchter Kokoserde oder Terrarienmoos. Dies sollte immer feucht, aber nicht nass sein. Eine Wet-Box ist die beste Vorsorge gegen Häutungsprobleme und wird sehr gerne von den Schlangen bei der Häutung aufgesucht. 

Pflege und Hygiene

Schlangen häuten sich regelmäßig und werfen dabei ihre alte Haut ab. Diese muss dann aus dem Terrarium entfernt werden. Das Terrarium sollte regelmäßig von Kot gesäubert werden. Mindestens einmal jährlich wird der gesamte Bodengrund ausgetauscht. 

Schlange als Haustier – Das Futter

Schlangen ernähren sich je nach Art von kleinen Insekten und Spinnen bis hin zu größeren Vögeln oder Kaninchen. Im Tierfachhandel finden Sie spezielles Futter, das Sie Ihrer Schlange geben können. Dabei wird zwischen Lebendfutter und Frostfutter unterschieden. 

Lebendfutter

Die zu verfütternden Tiere sind noch lebeding. Lebendfutter muss immer unter Aufsicht gegeben werden. Nagetiere wehren sich nämlich durch Beißen und könnten die Schlange verletzen. Das kann zu Entzündungen führen, die nicht selten aufwendig durch den Tierarzt behandelt werden müssen. Klingt eine Bissentzündung nicht mehr ab, muss das Kriechtier im schlimmsten Falle eingeschläfert werden. 

Frostfutter

Bei Frostfutter handelt es sich um ein totes Tier, das tiefgekühlt wurde. Vorteilhaft ist, dass dieses Futter einfach und lange gelagert werden kann und dadurch immer verfügbar ist. Gerade für unerfahrene Schlangenbesitzer ist die Fütterung mit Frostfutter einfacher. Im Terrarium kann man die meisten Schlangen problemlos von Lebend- auf Frostfutter umstellen, sofern die ,,Beute’’ angewärmt gereicht wird. Je nachdem, an welches Futter die Schlange gewöhnt ist, brauchen Sie ggf. ein wenig Geduld für die Umgewöhnung.

Wie oft Sie Ihre Schlange mit Futter versorgen sollten, hängt von der Art und dem Alter der 

Schlange ab. Dies kann z. B. von einmal die Woche bis hin zu einmal im Monat variieren.

Füttern Sie Ihre Schlange nicht direkt nach dem Kauf. Sie sollte sich erst ein paar Tage an die neue Umgebung gewöhnen. 

Auch wenn Schlangen nur alle paar Tage bis Wochen gefüttert werden müssen, benötigen sie dennoch täglich frisches Wasser. Stellen Sie Ihrem Kriechtier eine Wasserstelle zur Verfügung, aus der es trinken und in der es baden kann. Schlangen, die auch im Wasser leben, sollte ein größerer Wasserteil zur Verfügung gestellt werden, der bis zu einem Drittel des Terrariums ausmachen kann.

Mögliche Krankheiten 

Eine Schlange benötigt weder eine Entwurmung noch Impfungen. Gelegentlich machen den Schuppentieren Parasiten oder Häutungsprobleme zu schaffen. Hier kann ein Tierarzt für Reptilien helfen.

Müssen Schlangen beschäftigt werden?

Im Gegensatz zu Hunden oder Katzen müssen Schlangen nicht von den Besitzern beschäftigt werden. Wer denkt, mit einer Schlange als Haustiere spielen oder ihr Tricks beibringen zu können, irrt sich.  

Bei regelmäßigem Handling kann aber z. B. ein Python durchaus zutraulich werden und lässt sich dann gut aus dem Terrarium nehmen, ohne zu beißen.

Schlangen sind aber trotzdem keine Kuschel-, sondern Beobachtungstiere. Daher sind gerade für Kinder Schlangen als Haustiere ungeeignet. 

Kann ich eine Schlange alleine als Haustier halten? 

In der Natur sind Schlangen Einzelgänger, weshalb sie auch alleine im Terrarium gehalten werden können. Wenn Sie mehrere Exemplare wünschen, sollten Sie diese auch in getrennten Terrarien leben lassen. 

Wenn man bereits zwei oder mehr Schlangen in einem Terrarium hält, muss man die jeweiligen Tiere aus dem Terrarium herausnehmen und sie getrennt voneinander füttern, da sich die Schlangen sonst beim Fressen in die Quere kommen und sich gegenseitig verletzen. Außerdem muss das Terrarium sehr groß sein, damit die Tiere einander ausweichen können.

Schlange als Haustier? – Fazit 

Machen Sie sich genauestens Gedanken darüber, ob sich für Sie eine Schlange als Haustier eignet. Im Gegensatz zu Hunden und Katzen sind Schlangen Beobachtungstiere, die besondere Ansprüchen haben. Wenn Sie für optimale Lebensbedingungen sorgen, bleibt Ihr Kriechtier über Jahre hinweg gesund und agil. 

© AniCura