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Unfallchirurgie


Unter Unfallchirurgie wird keinesfalls nur die heute hochentwickelte operative Behandlung von Knochenbrüchen verstanden. Vielmehr ist es wichtig, das Gesamtbild des verunfallten Patienten zu erfassen und sorgfältig im Behandlungsplan zu berücksichtigen. Dabei stehen die lebensbedrohenden Faktoren im Vordergrund, die schnellstmöglich erkannt und behoben werden müssen. Anschließend werden die weniger gefährlichen Begleiterkrankungen und das Ausmaß der Schäden an Knochen-, Weichteil- und Nervenstrukturen erfasst. Je nach Art und Ausmaß des Schadens werden neben der klinischen Untersuchung weitergehende Verfahren (Röntgen, Ultraschall, Labor, Elektrokardiogramm und Computer- oder Magnetresonanztomographie) eingesetzt.

Nicht nur die Diagnostik, auch die chirurgische Versorgung der Unfallfolgen selbst hat einen weiten Bogen zu umspannen. Sie erfordert Wissen und Erfahrung der Chirurgen, ein großes Ausrüstungs- und Implantatesortiment, das stets griffbereit sein muss, und nicht zuletzt ein professionell geschultes Team.

Unsere Chirurgen haben langjährige Operationserfahrung auf diesem Gebiet und schulen sich wie auch das Ärzte- und Helferteam der Klinik laufend in bewährten und neuen Techniken der Unfallchirurgie.

Dr. Günter Schwarz ist Mitglied des Arbeitskreises für Osteosynthesefragen (AO) und im In- und Ausland gefragter Referent auf einschlägigen Fachtagungen und Kursen. Seit Jahren organisiert und moderiert er die renommierten und international besuchten Kurse der AOvet, der tiermedizinischen Sektion der AO International, in Salzburg.

Im Weiteren wollen wir einige Fallbeispiele verunfallter Tiere vorstellen. Sollten Sie Fragen zu einzelnen Fällen oder zu Techniken und deren Anwendbarkeit haben, kontaktieren Sie uns bitte.

Fall 1

3-jähriger Jagdhund nach Autounfall. Elle und Speiche des linken Unterarms sind gebrochen. Die Frakturzone liegt sehr knapp über dem Handwurzelgelenk und ist durch Knochensprünge (sog. Fissuren) im gesamten unteren Drittel der Speiche verkompliziert. Da ein Gipsverband in solchen Fällen nur selten zum Erfolg führt, wurde eine operative Frakturversorgung mit einer an der Innenseite angelegten Knochenplatte und winkelstabilen Schrauben durchgeführt. So versorgte Tiere sind innerhalb weniger Wochen wieder voll einsatzbereit.

Fall 2

„Xandl“, ein 6-jähriger Appenzeller-Mischlingsrüde, kam vom Freilaufen in den Weingärten lahmend zurück und entwickelte innerhalb einiger Stunden Atemnot und eine starke Aufblähung des Unterhautgewebes. Bei der Notfallversorgung und gleichzeitigen diagnostischen Aufarbeitung wurde festgestellt, dass Xandl angeschossen worden war und die Luft durch eine Schussverletzung der Luftröhre in das Unterhautgewebe austreten konnte. Zwei Operationen retteten Xandls Leben: Nach operativem Verschluss der Luftröhren- und gleichzeitig vorliegenden Speiseröhrenverletzung konnte die Schussfraktur des Schulterblattes mit einer komplizierten Knochenbruchversorgung stabilisiert und damit die Schultergelenksfunktion wiederhergestellt werden.

Fall 3

Ein 1-jähriger Jagdhundrüde wurde nach Autounfall mit nicht stehfähiger Hinterhand vorgestellt. Bei der Röntgenuntersuchung zeigte sich, dass ein mehrfacher Trümmerbruch des Beckens, der auch die rechte Hüftgelenkspfanne betraf, vorlag. Durch eine Computertomographie konnte eine präzise operative Frakturversorgung geplant und erfolgreich durchgeführt werden. Dabei kam eine der anatomischen Situation besonders gut anpassbare Spezialplatte mit winkelstabiler Verschraubung zum Einsatz.

Nicht operativ versorgte Frakturen dieser Art würden unweigerlich zu einer Hüftgelenksarthrose und schweren Verkrüppelung des Patienten führen.